Therapeutische Ansätze

Was ist Kinder- und Jugend-EMDR?

Kinder- und Jugend-EMDR passt den EMDR-Ansatz an Entwicklungsstand, Ausdrucksweise, Familienkontext und Sicherheitsbedürfnisse junger Menschen an.

Illustration mit zwei ausgewogenen Steinen, schützendem Bogen und wachsenden Pflanzen

Kinder- und Jugend-EMDR – was ist das?

Zeichnungen, Geschichten, Metaphern, Spiel oder altersgerechte Skalen können genutzt werden. Bilaterale Stimulation erfolgt über Augenbewegungen, Klopfreize oder Töne und wird an Mitwirkung und Vorlieben angepasst.

Die Zusammenarbeit mit Eltern oder Bezugspersonen kann für Sicherheit und Unterstützung im Alltag wichtig sein. Gleichzeitig wird altersgerechte Privatsphäre geschützt; Grenzen des Informationsaustauschs werden zu Beginn klar besprochen.

InhaltFatma Sibel Şahin · Psychologin und Autorin

In welchen Situationen kann der Ansatz erwogen werden?

Die Eignung des Ansatzes wird gemeinsam anhand persönlicher Bedürfnisse, der Sicherheit und der Gesprächsziele eingeschätzt.

  • Belastungen nach Unfall, Verlust oder erschütternden Ereignissen
  • Starke Angst in Schule, Prüfungen oder sozialen Situationen
  • Migration, Umzug und Anpassung
  • Spezifische Ängste und Vermeidungsverhalten
  • Körperliche Reaktionen oder Schlafprobleme im Zusammenhang mit belastenden Erinnerungen

Wie verläuft der Prozess der Kinder- und Jugend-EMDR?

  1. 01

    Kennenlernen und Einschätzung

    Entwicklung, Familienkontext, Sicherheit, Ressourcen und Anliegen werden mit Kind bzw. Jugendlichem und Bezugsperson betrachtet.

  2. 02

    Ziele festlegen

    Ziele werden altersgerecht erklärt und vereinbart; Zustimmung und Beteiligung des jungen Menschen stehen im Mittelpunkt.

  3. 03

    Therapeutischer Prozess

    Nach Vorbereitung und Ressourcenaufbau wird die Zielerfahrung mit altersgerechten Materialien und bilateraler Stimulation bearbeitet.

  4. 04

    Gemeinsame Überprüfung

    Veränderungen im Alltag, familiäre Unterstützung und neue Bedürfnisse werden unter Wahrung der Privatsphäre überprüft.

Häufige Fragen zu Kinder- und Jugend-EMDR

Wie wird Kinder- und Jugend-EMDR durchgeführt?

Das EMDR-Protokoll wird altersgerecht vereinfacht und kann durch Zeichnen, Geschichten, Spiel und Metaphern ergänzt werden. Die bilaterale Stimulation wird angenehm gestaltet.

Welche Rolle haben Eltern?

Bezugspersonen können bei Einschätzung, Sicherheit, Alltagsunterstützung und Verlauf mitwirken. Der Umfang richtet sich nach Alter und Bedarf.

Muss das Kind alles erzählen?

Nein. Nicht jedes Detail muss erzählt werden. Sicherheitsrelevante Informationen und Grenzen des Austauschs werden altersgerecht besprochen.

Wie viele Sitzungen dauert Kinder- und Jugend-EMDR?

Die Dauer hängt von Erfahrung, Entwicklungsstand, Ressourcen, familiärer Unterstützung und Zielen ab. Eine feste Dauer kann nicht versprochen werden.

Kann Kinder- und Jugend-EMDR online stattfinden?

Online-Arbeit kann in manchen Fällen möglich sein. Alter, Privatsphäre, Technik, Sicherheit und Unterstützung durch Bezugspersonen werden vorher geprüft.

Wann kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein?

Eine entwicklungsangemessene fachliche Einschätzung kann sinnvoll sein, wenn nach einem belastenden Ereignis anhaltende Veränderungen bei Verhalten, Schlaf, Schule, Körperreaktionen oder Beziehungen auftreten.